Volkshochschulen (VHS) sind mehr als nur Weiterbildungseinrichtungen – sie sind ein zentraler Baustein der demokratischen Bildung in der Schweiz. Seit ihrer Gründung 1874 haben sich VHS als offene Lernorte etabliert, die Menschen jeden Alters und Bildungsstandes ermöglichen, sich weiterzuentwickeln. Besonders im Kanton Zürich, wo die VHS Zürich mit über 100.000 Teilnehmenden pro Jahr eine der größten und vielfältigsten Angebotslandschaften bietet, zeigen sie, wie Bildung inklusiv und praxisnah gestaltet werden kann. Doch was genau macht diese Institution so einzigartig und wie wirkt sie auf die Gesellschaft?

Bildung für alle – Zugang und Vielfalt

Ein zentrales Merkmal der Volkshochschulen ist ihr unschlagbarer Zugang für alle: Keine Matrikelgebühr, keine strengen Aufnahmeprüfungen – nur Interesse und Motivation sind gefragt. Besonders für Berufstätige, Migrant:innen oder Menschen mit Migrationshintergrund bieten VHS Kurse wie Deutsch als Zweitsprache (DaZ) oder Berufssprachkurse (BSK) eine Brücke in die Arbeitswelt. In Zürich etwa absolvieren jährlich rund 30 % der Kursteilnehmer:innen Kurse in diesen Bereichen. Zudem sind VHS stark in der Nachbarschaftsarbeit verankert: In vielen Städten werden kostenlose Workshops zu Themen wie Digitalkompetenz oder Gesundheitsvorsorge angeboten, die oft von lokalen Initiativen unterstützt werden.

Doch die Vielfalt reicht weiter: Neben klassischen Sprachkursen oder Berufsausbildungen gibt es Kurse zu politischen Themen wie Demokratie oder Menschenrechten – ein Feld, das besonders in der aktuellen politischen Debatte um Bildungspolitik relevant ist. Die VHS Zürich etwa hat 2022 über 1.200 Kurse in über 100 Sprachen angeboten, darunter auch spezifische Angebote für Geflüchtete oder Senior:innen. Hier zeigt sich, wie Bildung nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch soziale Teilhabe stärkt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftlicher Einfluss

Forschungen zeigen, dass Volkshochschulkurse nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich wirken. Eine Studie der Universität Zürich aus dem Jahr 2021 ergab, dass Teilnehmende von VHS-Kursen im Durchschnitt 15 % mehr Bildungschancen nutzen – sei es durch höhere Qualifikationen, bessere Berufsaussichten oder die Teilnahme an politischen Prozessen. Besonders in ländlichen Regionen, wo Schulen oft weniger Angebote machen, sind VHS eine wichtige Ergänzung. In der Gemeinde Affoltern am Albis etwa besuchen über 40 % der Erwachsenen Kurse, was zu einer höheren Bildungsquote und mehr lokaler Innovation führt.

Ein konkretes Beispiel ist der Kurs “Nachhaltigkeit im Alltag”, der in vielen VHS-Standorten angeboten wird. In der Region Winterthur haben Teilnehmer:innen durch solche Kurse nicht nur ihr Wissen erweitert, sondern auch lokale Initiativen wie den “Grünen Punkt” gestärkt, der seit Jahren die Kreislaufwirtschaft fördert. Hier zeigt sich, wie Bildung und Praxis eng verwoben sind – und wie VHS als Brückenbauer zwischen Theorie und Realität fungieren.

  • Über 100.000 Teilnehmende pro Jahr an der VHS Zürich – mehr als jede andere Bildungseinrichtung des Kantons.
  • 30 % der Kursteilnehmer:innen in Sprach- und Berufssprachkursen (BSK/DaZ) im Jahr 2022.
  • 1.200 Kurse in über 100 Sprachen – ein Zeichen für interkulturelle Offenheit.
  • Studien zeigen: VHS-Teilnehmende nutzen im Schnitt 15 % mehr Bildungschancen als Nicht-Teilnehmende.
  • In ländlichen Regionen wie Affoltern am Albis besuchen über 40 % der Erwachsenen Kurse.

Doch wie finanzieren sich diese Angebote? Die meisten Volkshochschulen sind gemeinnützig und werden zu einem Teil durch öffentliche Mittel, aber auch durch Spenden und Kooperationen mit Unternehmen finanziert. In Zürich deckt der Kanton rund 40 % der Kosten, während private Träger und Stiftungen weitere 20 % beisteuern. Dies ermöglicht es, auch in schwierigen Zeiten stabile Angebote zu halten – etwa während der Pandemie, als viele VHS online Kurse anboten und so die Bildungskontinuität sicherte.

Herausforderungen und die Zukunft der VHS

Trotz ihrer Bedeutung stehen Volkshochschulen vor neuen Herausforderungen. Die Digitalisierung stellt sie vor die Frage, wie sie sich anpassen können, ohne ihre persönliche, interaktive Ausrichtung zu verlieren. Gleichzeitig gibt es Kritik an der Finanzierung: Einige Kantone reduzieren ihre Mittel, was zu Engpässen in bestimmten Bereichen führt. Ein Beispiel ist die VHS Bern, die 2023 einen Rückgang von 15 % in der Kurszahl verzeichnen musste, obwohl die Nachfrage gestiegen ist. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, dass Politik und Gesellschaft die Bedeutung der VHS für die Demokratie und die Gesellschaft weiterhin sichtbar machen.

Die Zukunft der Volkshochschulen wird auch von der Frage abhängen, wie sie sich an die neuen Bildungsbedürfnisse anpassen. Themen wie KI-Grundlagen, psychische Gesundheit oder digitale Kompetenz gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die VHS Zürich hat bereits erste Pilotprojekte zu KI-Ethik gestartet, die zeigen, wie innovativ diese Einrichtungen sein können. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob die Volkshochschulen als klassische Weiterbildungseinrichtungen oder als moderne Lernplattformen weiterentwickelt werden müssen – und ob sie dabei ihre demokratische Funktion behalten können.

Ein mehr infos zu den aktuellen Kursangeboten und Studien der Volkshochschulen in der Schweiz.